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KomFIT 2009 - Wie Europa kommunale IT verändert am 10.09.2009 in Kiel

Die EG-Dienstleistungsrichtlinie hat unserer Jahresveranstaltung 2009 einen Anmeldungs- und Besucherrekord beschert. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhofften sich insbesondere Antworten auf die Frage nach den Auswirkungen der Richtlinie auf die IT in den Kommunalverwaltungen. Diese Antworten wurden auch geliefert, auch wenn sie nicht ausschließlich bequem waren.

So machte Dr. Johann Bizer, Vorstandsmitglied von Dataport, schon in seiner Keynote klar, dass insbesondere aus rechtlichen und wirtschaftlichen Gründen immer mehr Verwaltungsprozesse medienbruchfrei und verwaltungsübergreifend durch IT abgebildet werden müssen. In einigen Bereichen funktioniert das bereits sehr gut, wie zum Beispiel im Meldewesen. Künftig wird es dadurch noch verstärkt zu engeren Kooperationen kommen müssen. Dabei ergibt sich dann die Möglichkeit zum freiwilligen Zusammenschluss mehrerer Verwaltungen beim IT-Betrieb, wofür es bereits Beispiele gibt, oder auch die verstärkte Nutzung der vom Land bereitgestellten und von Dataport betriebenen zentralen Infrastrukturkomponenten. Abschließend stellte Dr. Bizer fest, dass wir schon viel erreicht haben, aber noch lange nicht am Ziel sind.

Nach einer Verschnaufpause, in der schon einmal Gelegenheit bestand, sich bei der mit gut 40 Ausstellern reichlich bestückten Begleitmesse zu informieren, ging es dann in gewohnter Weise mit zwei parallelen Vortragstracks weiter. Schwerpunkt des allgemeinen Interesses bildete dabei der erste Track zum Thema EG-DLRL. In medias res ging dann sogleich mit Uwe Störmer, einem der beiden Projektleiter des kommunalen Umsetzungsprojektes in Schleswig-Holstein. Nachdem er die Rahmenbedingungen des Projektes skizziert hatte und dabei die hohe Motivation aller Beteiligten aus den Kommunalverwaltungen, vom Finanzministerium und den Kommunalen Landesverbänden hervorgehoben hatte, ging er (analog zur Gliederung  der bestehenden Teilprojektgruppen) aus rechtlicher, organisatorischer und technischer Sicht darauf ein, was aus kommunaler Sicht bei den zu unterstützenden Verwaltungsprozessen bleibt und wo es zu Änderungen kommt.

Unter dem Titel Juno im Herbst stellten die Referenten Oliver Voigt vom Finanzministerium und Oliver Maas vom KomFIT die zur Umsetzung der EG-DLRL erforderliche zentrale IT-Infrastruktur-Komponenten, wie den Zuständigkeitsfinder (ZuDiSH) und das EA-System (EASy) vor und erläuterten, welche organisatorischen und technischen Vorbereitungen die Kommunalverwaltungen im Lande treffen müssen, um Ende des Jahres informationstechnisch fit zu sein für die Umsetzung der EG-DLRL.

Zum Abschluss dieser Reihe präsentierte Martin Rost vom Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz, welche Chancen die IT-Umsetzung der EG-DLRL für ein datenschutzfreundliches E-Government bietet.

Die zweite parallele Vortragsreihe hingegen beschäftigte sich mit den Themen Geoinformatik, technische Infrastruktur, und dem elektronischen Personenstandswesen.

Frau Dr. Ulrike Klein von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel berichtete zunächst vom neuen Zentrum für Geoinformatik, welches ein Tag später am 11.09. dann offiziell die Einweihung ihrer neuen Räumlichkeiten mit reichlich geladenen Gästen gefeiert hat.
Anschließend berichtete sie sehr anschaulich über die unterschiedlichen Akteure innerhalb der Geodateninfrastruktur Schleswig-Holstein (GDI-SH) und welche Rolle das neugegründete Zentrum für Geoinformation (ZfG) an der Uni Kiel in diesem Verbund spielen soll. Es wurde deutlich, dass das ZfG die verschiedenen Akteure zusammenbringen möchte, um eine bessere Ausrichtung der GDI in Schleswig-Holstein zu erreichen. Durch die Einrichtung einer IT-Landschaft (GDI-Simulationsknoten) ist es möglich, sich des ZfGs im Hinblick auf Tests und Fragestellungen zu bedienen. Schwerpunkte der Tätigkeit sind insgesamt die Stärkung der Geoinformationswirtschaft in Schleswig-Holstein, die Steigerung der regionalen Wettbewerbsfähigkeit, die Qualifizierung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern durch die Kurse KomGIS und LearnGIS in unterschiedlichen Ausprägungen sowie die Stärkung des Landes im weltweiten Wettbewerb um innovationsorientierte Standortbedingungen

Der Vortrag von Mary Bellin beschäftigte sich mit der Pflege von Metainformationen im Landesmetainformationssystem SH-MIS im Rahmen der GDI-SH. Dieses System ist für alle kommunalen Anwender sowie für die Landesverwaltung kostenfrei zu nutzen und bedarf nur einer Anwenderkennung, die über das Landesvermessungsamt beantragt werden kann. Frau Bellin machte deutlich, dass sich das SH-MIS an den OGC-Vorgaben ausrichtet und die Daten, die dort sind, bei Bedarf auch wieder in die Kommunen zurückfließen können.

Siegfried Fock aus dem Finanzministerium berichtete über den Fortschritt des Projektes +1, welches die Fortschreibung der zentralen IT-Infrastruktur des Landes beinhaltet. Er betonte die IT-Infrastrukturverantwortung des Landes und damit verbunden den Wunsch, dass auch viele Kommunalverwaltungen über die gemeinsam mit dem KomFIT bereitgestellten kommunalen Zweig der gemeinsamen Infrastruktur (KITS) die neuen Vorzüge von +1 mitnutzen werden. Als zwei Highlights arbeitete er einerseits eine höhere Funktionalität der neuen IT-Infrastruktur heraus aber auch den konsequenten Umbau zu einer datenschutzfreundlichen Architektur. Der Weg, den KITS bereits zuvor mit der Auditierung durch das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz eingeschlagen hatte, wird von +1 weitergeführt. Ziel ist ein erfolgreiches Audit für die gesamte +1-Infrastruktur. Dabei scheint einiges einfacher zu werden. So kann die Anforderung zur revisionssicheren Protokollierung des Verzeichnisdienstes (Active Directory) nunmehr weitgehend mit den Bordmitteln des neuen Serverbetriebssystems umgesetzt werden.

Rhetorisches Highlight war sicherlich der charmante gebürtige Wiener und Microsoft-Mitarbeiter Thomas Kuklovszky, der die Vorzüge von Windows 7 darstellte. Dabei verzichtete er weitgehend auf seine vorbereiteten Folien, sondern zeigte lieber live, wie das neue Betriebssystem aussieht und welche Vorzüge es besitzt. Dabei kann man Windows 7 als ein konsequent weiterentwickeltes Vista bezeichnen, welches sich vergleichsweise einfach über ein hardwareunabhängiges Image im Netzwerk verteilen lässt und sich in seinen Performanceansprüchen an die bereitgestellte Hardware anpasst. Und hätte nicht noch ein weiterer Vortrag angestanden, so würde er einmal in Fahrt geraten wohl heute noch weiter referieren.

Der Vortrag von Joachim Tode, im Innenministerium für die Einführung des elektronischen Personenstandsregisters zuständig, zeigte auf, wie die derzeitige Entwicklung in Schleswig-Holstein voranschreitet. So ist vorgesehen, über Dataport eine Verbundlösung mit den Ländern Hamburg und Bremen zu erreichen, um den Ländern und der kommunalen Familie in Schleswig-Holstein Kosten zu sparen. Derzeit arbeitet eine Arbeitsgruppe bestehend aus Vertreter des Landes, der Kommunalen Landesverbände sowie der Standesbeamten daran, die Bedingungen für eine gemeinsame Softwarelösung zu schaffen. Herr Tode machte deutlich, dass die Zusammenarbeit ausgesprochen konstruktiv ist und Schleswig-Holstein sich auf einem sehr guten Weg befindet.

Alle Vorträge stehen in unserem Extranet unter https://extranet.sh-kommunen.de/KomFIT-DL/KomFIT%202009/Forms/AllItems.aspx zum Download zur Verfügung. Der Zugang kann für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den Kommunalverwaltungen und der Landesverwaltung kostenfrei bei der KomFIT-Geschäftsstelle beantragt werden.